Das Nachtbuch

Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Prosa

Zwei Engel


Zwei reisende Engel machten Halt, um die Nacht im Hause einer wohlhabenden Familie zu verbringen. Die Familie war unhöflich und verweigerte den Engeln, im Gästezimmer des Haupthauses auszuruhen. Anstelle dessen bekamen sie einen kleinen Platz im kalten Keller. Als sie sich auf dem harten Boden ausstreckten, sah der ältere Engel ein Loch in der Wand und reparierte es.
Als der jüngere Engel fragte, warum, antwortete der ältere Engel:
"Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."

In der nächsten Nacht rasteten die beiden im Haus eines sehr armen, aber gastfreundlichen Bauern und seiner Frau. Nachdem sie das wenige Essen, das sie hatten, mit ihnen geteilt hatten, ließen sie die Engel in ihrem Bett schlafen, wo sie gut schliefen. Als die Sonne am nächsten Tag den Himmel erklomm, fanden die Engel den Bauern und seine Frau in Tränen. Ihre einzige Kuh, deren Milch ihr alleiniges Einkommen gewesen war, lag tot auf dem Feld. Der jüngere Engel wurde wütend und fragte den älteren Engel, wie er das habe geschehen lassen können? "Der erste Mann hatte alles, trotzdem halfst du Ihm", meinte sie anklagend. "Die zweite Familie hatte wenig, und du ließest die Kuh sterben."

"Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen", sagte der ältere Engel. "Als wir im kalten Keller des Haupthauses ruhten, bemerkte ich, dass Gold in diesem Loch in der Wand steckte. Weil der Eigentümer so von Gier besessen war und sein glückliches Schicksal nicht teilen wollte, versiegelte ich die Wand, so dass er es nicht finden konnte. Als wir dann in der letzten Nacht im Bett des Bauern schliefen, kam der Engel des Todes, um seine Frau zu holen.  Ich gab ihm die Kuh stattdessen.
Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen. Manchmal ist das genau das, was passiert, wenn die Dinge sich nicht als das entpuppen, was sie sollten. Wenn du Vertrauen hast, musst du dich bloß darauf verlassen, dass jedes Ergebnis zu deinem Vorteil ist. Du magst es nicht bemerken, bevor ein bisschen Zeit vergangen ist..."

(Autor Unbekannt)





Nickname 07.04.2004, 16.27 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Die Begegnung


So schnell und weit bin ich gerannt, so atemlos habe ich mich dem Augenblick gewidmet. Doch als ich stehen bleibe, holt die Traurigkeit mich mit ihren gemächlichen Schritten wieder ein. So steht sie nun an meiner Seite, dunkel und wissend. Blickt mit ihren Augen bis tief in mein Herz hinein.
„Was rennst du immer noch“, sagt sie zu mir, „Durch Flucht wirst du mir nie entkommen. Ich hole dich immer wieder ein. Zu jeder Stunde, an jedem Ort und oftmals dann, wenn du es nicht erwartest.“
„Habe ich nicht genug gelitten?“, frage ich sie verzweifelt, „Habe ich nicht genug geweint in dunklen Stunden? Habe ich nicht für dich mein Herz aus meiner Brust gerissen?“
„Das mag wohl sein“, antwortet sie mir, „Doch hast du mich je in den Arm genommen und wirklich um jeden Verlust, den du erlitten hast, getrauert? Oder hast du mich nicht vielmehr von dir gewiesen wie ein zorniges Kind, das etwas nicht haben darf?“
Der Schmerz trifft mich ganz unvermittelt und hart, so dass ich ins Taumeln gerate. Wie wahr, denke ich, wie wahr sind ihre Worte. Und ich sehe all die Liebe, die ich verloren oder nie geschenkt bekommen habe, an mir vorbeiziehen. So viel Schmerz, so viel Traurigkeit, die in meiner Seele wohnt. So viele Verluste, so viel Einsamkeit, die kaum zu ertragen sind.
„Könnte ich dich doch nur umarmen“, flüstere ich ihr zu, „Doch ich habe zu viel Angst.“
„Lass dir Zeit“, sagt sie sanft zu mir, „Lass dir Zeit und renne nicht mehr fort. Am Ende wird der Schmerz ein Teil von dir sein und du musst ihn nicht mehr fürchten.“

 

Nickname 03.02.2004, 09.23 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Der dunkle Schwan


Still gleitet der Schwan über den See. Dunkel schimmert sein Gefieder im Mondlicht und dunkel blicken seinen Augen in verlorene Fernen. Der Kopf ist leicht zu Seite geneigt und trägt schwer an einer Last, die unsichtbar auf ihm liegt. Die Flügel liegen müde am Körper und haben vergessen, wie es ist sich leicht durch die Luft zu bewegen und den Wind in den Federn zu spüren. So kalt ist ihm in der Brust, weil in seinem Herz aus Stein keine Wärme mehr wohnt. Als ein Schatten den Mond bedeckt, hebt er mühevoll den Kopf und wendet seinen Blick empor. Ein weißer Schwan mit glänzendem Gefieder verweilt für einen Moment im Licht des Monds. Sein Auge ruht auf dem dunklen Bruder und er schwebt sanft zu ihm herab. Tränen liegen in seinen Augen und füllen den See. Liebevoll entfaltet er seine Flügel und umarmt mit ihnen den dunklen Schwan. "Ach Bruder, du gehörst doch zu mir... "



 

Nickname 02.02.2004, 13.48 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Grau ist der Weg


Grau zog der Tag aus der Dunkelheit der Nacht herauf. Die Farben blieben in ihren Betten liegen und das Sonnenlicht hatte sich in graue Wolkendecken eingewickelt. Die Schatten fanden kein Licht zum Sein und so blieben auch sie diesem Tag fern. Schwarz mahnten die Zweige den Winter an und träumten zitternd im Wind vom Frühlingsduft. Selbst die Vögel schwiegen heute, saßen still in ihren Nestern. Bald, bald, flüsterte der Wind ihnen allen zu, bald ist diese dunkle Zeit vorbei. Grau ist der Weg zwischen Schatten und Licht. Darum harret aus! Und so erhob sich ein erwartungsvolles Seufzen in der Welt ...



 

Nickname 25.01.2004, 11.40 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

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Huhu Sylvia, Dankeschön. Ich wünsche Dir auch
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Agnes:
Ein bißchen zu spät, aber daran gedacht habe
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Agnes:
11 Monate hast Du nun schon Blogpause!!
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Agnes:
Ich möchte Dir nur mal die magische Zahl 115
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Agnes:
Ich hoffe Du hattest so schöne Ostertage!Hab
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